Vertrauen ... oder wir leiden an einer verzerrten Wahrnehmung

Vertrauen … oder wir leiden an einer verzerrten Wahrnehmung

  Psychologen erforschen die Grenzen menschlicher Rationalität seit bald einem Jahrhundert. Bis vor kurzem waren Wirtschaftswissenschaftler dafür bekannt, der Menschheit absolute Rationalität (lat. ratio = Verstand, Vernunft) zu attestieren. Es herrschte die Überzeugung: Wir Menschen

 

Psychologen erforschen die Grenzen menschlicher Rationalität seit bald einem Jahrhundert.

Bis vor kurzem waren Wirtschaftswissenschaftler dafür bekannt, der Menschheit absolute Rationalität (lat. ratio = Verstand, Vernunft) zu attestieren.

Es herrschte die Überzeugung:

Wir Menschen handeln logisch, vorhersehbar und stets zu unserem Vorteil.

 

Wer gut argumentieren kann, hat also die Karten auf seiner Seite.

Möge das beste Argument gewinnen.

 

Doch nicht immer handeln Menschen rational – wir alle haben eine verzerrte Wahrnehmung (Cognitive Bias).

 

Und das wirkt sich auch auf unser Vertrauen aus.

 

Inwiefern?

 

Das erklären wir Ihnen nun nachfolgend:

 

Um mit der unermesslichen Komplexität unserer Umwelt umzugehen, nutzt unser Gehirn Filtermechanismen.

Das ist zwar ganz praktisch und auch zeitsparend, kann in manchen Fällen jedoch zu irrationalen oder sogar fatalen Entscheidungen führen.

 

  1. Wir vertrauen auf die Meinung anderer: Je mehr Menschen von einer Person behaupten, dass die betreffende Person glaubwürdig und vertrauenswürdig ist, desto eher glauben wir das.
  2. Wir tendieren dazu, ein Vertrauensverhältnis zu überschätzen: So nach dem Motto „Ich tausche mich seit mehreren Monaten in Social Media mit Frau XY aus und bin total von ihrer Vertrauenswürdigkeit überzeugt.“
  3. Unser Gehirn versucht, Unsicherheiten – wenn immer möglich – auszublenden: Wenn Unsicherheiten bei einem für uns vertrauenswürdigen Kontakt aufkommen, versuchen wir das auszublenden und wir erhalten dann oft eine „Illusion“ aufrecht, um uns ja nicht eingestehen zu müssen, dass wir womöglich auf „das falsche Pferd“ gesetzt haben. Haben wir erst einmal Vertrauen gefasst, sind wir oft nicht so leicht wieder davon abzubringen und wir tappen, wie in diesem Beispiel, in die Vertrauensfalle.
  4. Wir verdrängen die Möglichkeit unvorgesehener Ereignisse und rationalisieren unvorhergesehene Vertrauensprobleme: Bei auftretenden Vertrauensproblemen, die nicht vorhersehbar waren, rationalisieren wir das Ganze dann und winken ab: „Eigentlich hätte mich das bei dieser Person gar nicht überraschen dürfen!“
  5. Und wir überschätzen unsere eigene Rationalität und möchten von etwaigen Verzerrungen gar nichts wissen: So nach dem Motto „Seit meinem Studium weiß ich, es geht beim Thema Vertrauen nicht um Emotionen, sondern nur um Tatsachen.“

 

WAS WIR LERNEN SOLLTEN …

Es ist eines klar:

Es braucht viel mehr Verstand (als wir glauben), um hinter unser Verhalten im Zusammenhang mit Vertrauen zu steigen.

Vertrauen ist etwas Komplexes – einerseits wollen wir alle Vertrauen genießen, aber beim Geben von Vertrauen wird es für uns schwierig.

Wir wollen uns bestätigt sehen (Bestätigungsheuristik (Confirmation Bias)), überschätzen uns, blenden Unsicherheiten aus, haben Angst etwas zu verlieren (Verlustaversions-Heuristik), rationalisieren Unvorhergesehenes und überschätzen unsere eigene Rationalität – und das alles im Zusammenhang mit Vertrauen.

 

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