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VonKarin Sebelin

Der entscheidende Aspekt bei Vertrauen: Das „Aufheben“ von Ungewissheit

 

Das Thema Vertrauen ist ein komplexes Thema.

 

Was ist Vertrauen und warum sollte ich es geben?

 

Vertrauen ist schwer zu fassen und es ist auch nicht einfach, Vertrauen eindeutig zu definieren.

Jeder versteht etwas anderes unter Vertrauen und jeder hat eine andere Vorstellung davon, wann Vertrauen beginnt und wo es endet.

Und diese unterschiedlichen Ansichten, diese unterschiedlichen Vertrauensverständnisse, tragen dazu bei, dass Menschen oft aneinander vorbeireden.

Jeder lebt Vertrauen auf seine Art und geht anders mit dem Thema Vertrauen um.

 

Wir wissen, wer Geschäfte machen will, muss Risiken eingehen und mögliche Misserfolge und Rückschläge mit einkalkulieren.

Doch ist es immer zumutbar, wenn wir unser Leben nicht immer einschätzen können, auf Vertrauen zu setzen?

 

Nicht nur im Geschäftsleben, auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen, ist immer wieder von Vertrauen die Rede und wie wichtig es doch ist.

 

Machen Sie sich keine Illusionen: Wer Ihnen vertraut, der will meist etwas von Ihnen!

Er erwartet eine Gegenleistung. Aber das muss gar nichts Schlechtes sein. Im Gegenteil, es erfüllt mit Stolz, wenn wir anderen helfen können, wenn wir etwas Positives für andere erreichen.

 

 

WAS WIR LERNEN SOLLTEN …

 

Vertrauen drückt meist positive Erwartungen aus, die trotz Verwundbarkeit und Ungewissheit entstehen.

 

Und ohne diese Erwartungen verkümmern und verkommen Personen, soziale Netzwerke und ganze Gesellschaften.

 

Falsch wird es nur, wenn wir zu viele und zu hohe Erwartungen haben.

 

Dieser Spruch beschreibt das so schön:

 

 

Große Erwartungen führen zu Enttäuschung und zerstören Beziehungen.

Und je höher der Einsatz, also je mehr Vertrauen investiert worden ist, desto unangenehmer sind die Folgen einer Enttäuschung.

Vertrauen birgt die alltägliche Herausforderung, trotz der eigenen Verwundbarkeit und des Risikos, möglichst mit positiven Erwartungen auf andere zuzugehen.

Wir sollten also sehr optimistisch sein, dass eine Beziehung funktioniert.

 

Was meint die Forschung zum Thema Vertrauen?

 

In einem Forschungsprojekt am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung wurde an einem konzeptionellen Rahmen zur Analyse von Vertrauen gearbeitet.

Hierbei wurden 3 wesentliche Perspektiven des Vertrauens identifiziert.

Diese stellen jeweils eine andere Basis des Vertrauens und somit auch 3 verschiedene Ansatzpunkte für den Vertrauensaufbau in den Blick:

 

1.) Vernunft

2.) Routinen

3.) Erfahrungen

 

Vertrauen braucht „gute Gründe“, die sich aus Vernunft, Routinen und Erfahrungen ergeben. Schlußendlich wird Vertrauen aber durch das Aufheben von Ungewissheit geschaffen. „Aufheben” bedeutet hier „Negieren“ und „Aufbewahren“. – (laut Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung)

 

Zu den einzelnen Punkten:

 

1.) Vernunft

Diese Perspektive zeigt Vertrauen als eine Frage der Vernunft und sieht den Vertrauensgeber, also die Person, die Vertrauen gibt, als rationalen Entscheider.

Ob und wem wir unser Vertrauen geben, das hängt von dem Nutzen, den Interessen und Präferenzen der beteiligten Akteure ab. Wir entscheiden auch anhand verschiedener Kriterien, wem wir unser Vertrauen geben: Zu diesen Kriterien zählen z. B. Kompetenz, Wohlwollen und die Integrität des Vertrauensnehmers.

Bei diesem Vertrauensverständnis ist Vertrauen dann vergleichbar mit einer Wette. Es ist dann ein kalkuliertes Risiko mit positivem Erwartungswert.

Wir sollten wissen, Vertrauen gibt es nie ohne Risiko. Wer einem anderen vertraut, der erbringt um mit den Worten von Niklas Luhmann zu sprechen, eine „riskante Vorleistung“.

Wir können nämlich nie sicher sein, wie eine „Geschichte“ endet.

 

2.) Routinen

Diese Perspektive lenkt den Blick darauf, dass Vertrauen häufig eher routinemäßig gegeben oder auch geschenkt wird.

Vertrauen ist für uns oft einfach selbstverständlich.

Wir sind es einfach gewohnt zu vertrauen … wir überlegen oft nicht lange und geben es.

Vertrauen basiert hier im weitesten Sinne auf Routinen, und diesen Routinen folgt man, ohne sie zu hinterfragen.

Wir orientieren uns an Regeln und Rollen, an Gepflogenheiten (weil es halt so üblich ist) und handeln angemessen, so wie andere es auch tun würden.

 

3.) Erfahrungen

Diese Perspektive zeigt Vertrauen als eine Frage von Erfahrungen und als das Ergebnis sogenannter Reflexivität.

Der Vertrauende macht Erfahrungen mit bestimmten Menschen und lernt daraus.

So kann der Vertrauensaufbau in kleinen Schritten beginnen.

Vertrauen ist hier demnach ein Lernprozess.

 

 

ZUSAMMENFASSUNG

 

In der Praxis wirken die 3 Perspektiven für einen Vertrauensaufbau Vernunft, Routinen und Erfahrungen zusammen.

Alle 3 Perspektiven stellen wichtige Grundlagen des Vertrauens dar und je nach Situation können sie einander ergänzen, kompensieren oder relativieren.

Im Alltag kann man alle 3 Sichtweisen für den Vertrauensaufbau, die Vertrauenspflege und nicht zuletzt auch die Wiederherstellung der Grundlagen des Vertrauens nutzen.

 

Da Vertrauen weiterhin etwas „Ungewisses“ ist und auch bleibt und mit Risiko behaftet ist … ist

 

Der entscheidende Aspekt: Das „Aufheben“ von Ungewissheit

 

Es ist immer wichtig, Vernunft, Routinen und Erfahrungen als Quellen „guter Gründe“ zu identifizieren.

Damit ist jedoch der wesentliche Aspekt von Vertrauen noch nicht erfasst: Vertrauen muss stets über gute Gründe hinausgehen und Ungewissheit aufheben.

Und die Ungewissheit bei Vertrauen besteht darin, dass unser Vertrauen zumindest theoretisch auch enttäuscht werden kann, obwohl die Person, die Vertrauen gibt, genau das nicht erwartet.

Wir bleiben also verwundbar und haben keine hundertprozentige Gewissheit, dass unser Vertrauen honoriert wird, glauben aber dennoch daran.

Die Zweifel bleiben also immer da.

 

WIR KÖNNEN FESTHALTEN …

 

Erst diese positiven Erwartungen trotz der Faktoren Verwundbarkeit und Ungewissheit können als Vertrauen bezeichnet werden.

Entscheidend ist also das Aufheben von Ungewissheit (engl. suspension).

Das „Aufheben“ hat in diesem Zusammenhang eine Doppelbedeutung (wie bei Hegel), denn es ist ein Negieren und Aufbewahren zugleich.

 

Im Forschungsprojekt des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung wird dieses Aufheben von Ungewissheit als Kern des Vertrauens hervorgehoben.

 

In der Praxis stellt sich folgende Frage:

Wann höre ich auf, weiter nach guten Gründen zu suchen, und wie kann ich mit meiner noch verbleibenden Ungewissheit umgehen?

 

ZUSAMMENFASSUNG

 

Infografik VERTRAUEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Quelle: http://docplayer.org/24877147-Grundlagen-des-vertrauens-wissenschaftliche-fundierung-eines-why-do-we-trust-a-theoretical-approach-to-an-everyday-problem.html)